Latein studieren

Dieser Beitrag ist für alle gedacht, die mit dem Gedanken spielen, Latein ernsthaft zu studieren. Wenn du dich jetzt fragst, was das für irre Leute sein müssen – darum geht es ein anderes Mal. 🙂

Wo studiert man eigentlich Latein

Jede größere Universität hat in aller Regel ein Seminar (sozusagen eine Abteilung der Universität), an dem man Latein studieren kann. Diese Seminare findet man im Großen und Ganzen unter drei Namen:

  • Seminar für Latein (okay, einfach)
  • Seminar für Lateinische Philologie (= cooleres Wort für Latein)
  • Seminar für Klassische Philologie (= Latein & Altgriechisch)

Wenn man sich etwas durchgoogelt, findet man heraus, dass fast jede Universität in einer größeren Stadt über ein solches Seminar verfügt. Die Seminare sind dabei sehr unterschiedlich groß; es gibt winzige, an denen nur eine Handvoll Studenten pro Jahr studeiren, und vergleichsweise riesige, an denen sich jedes Jahr hundert und mehr Studenten einschreiben. (Auf BWL- oder Jura-Dimensionen kommt das Fach aber meines Wissens nirgendwo.) Man hat es also in der Regel eher klein und gemütlich.

Was studiert man denn da

Das Lateinstudium ist in vielerlei Hinsicht so altmodisch wie die Sprache selbst. Man übersetzt jede Menge Text aus dem Lateinischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Lateinische zurück (das klingt bekloppt, aber dazu später mehr). Und dann gibt es noch die Seminare, in denen man ein bestimmtes Thema (z.B. einen bestimmten Text) wissenschaftlich bearbeitet.

Das Studium setzt sich also in der Regel aus drei Teilen zusammen:

  • den Übersetzungskursen (an der Uni sagt man: „Lektüreübung„)
  • den Rück-Übersetzungskursen (an der Uni sagt man: „Stilübung„)
  • den Seminaren (Pro-Seminare für Anfänger, Haupt-Seminare später)

Dazu kommen noch ein paar andere Kleinigkeiten, aber das ist der Kern des Studiums. Was soll das nun sein?

Die Lektüreübungen sind eigentlich das, was man in der Schule schon gelernt hat: Übersetzen. Nur dass man in der Schule stark vereinfachte, sorgfältigst ausgewählte einfache Texte mit ganz vielen Hilfen, Vokabelangaben und Grammatikvereinfachungen bekam. Diese Zeiten sind jetzt vorbei: An der Uni bekommt man den Cicero so nackt und verwirrend, wie Gott ihn schuf, mit all den chaotischen Stellen, die man auf der Kopie nicht mehr lesen konnte. Und man liest natürlich auch Sachen, die man in der Schule längst nicht mehr macht, weil sie „zu schwer für Schüler“ sind.

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Die Stilübungen sind sozusagen Rück-Übersetzungen; man bekommt eine deutsche Übersetzung eines lateinischen Textes und soll wieder Latein draus machen. Das klingt zunächst mal irrwitzig, aber das Ziel ist, die lateinische Grammatik möglichst genau zu lernen, und das kann man am besten, indem man sie selbst anwendet. Tatsächlich ist das weniger schwer, als es klingt.

Die Seminare sind wiederum eine Art erweiterte Lektüreübung: Man sucht sich ein Seminar zu einem Thema aus, das einen interessiert, und beschäftigt sich dort intensiv mit einem Text, mit der Geschichte des Textes, mit der Forschungsliteratur dazu, mit dem Autor und so weiter. Hier findet das eigentliche wissenschaftliche Studium statt; in den anderen Kursen lernt man die Sprache, hier arbeitet man wirklich mit der Sprache. (In der Realität kommt das oft kürzer, als man sich es wünscht, und dann wird doch nur eine Art Lektüreübung draus.)

Was macht man damit

Gute Frage: Zu meiner Studienzeit gab es ungefähr 200 angehende Lehrer an meinem Latein-Seminar und ungefähr 2, die nicht auf Lehramt studierten. Folgerichtig ist die allergrößte Mehrheit Lehrer geworden – und ein (sehr) kleiner Teil an der Uni geblieben, um dort weiter zu forschen und zu lehren. Ansonsten könnte man argumentieren, dass man mit einem Lateinstudium auch in viele sprach-orientierte Berufe (Journalismus usw.) gehen könnte – ich persönlich kenne keinen, kann mir aber gut vorstellen, dass es da welche gibt.

Lohnt sich das

Das ist wohl Geschmackssache. Wer sowieso Lehrer werden möchte, Latein als Fach mag und in der eigenen Schulzeit nicht völlig von Latein abgeschreckt wurde, der sollte es sich überlegen. Man muss allerdings damit leben, dass das Lateinstudium zu mehr als der Hälfte aus dem mühseligen Erlernen der Sprache besteht – und nicht aus wissenschaftlicher Arbeit mit der Sprache.

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