Latein studieren – lohnt sich das?

Dieser Beitrag ist für alle gedacht, die mit dem Gedanken spielen, Latein ernsthaft zu studieren: Wo kann man Latein studieren, was erlebt man dabei, und wie steht es um die Berufsaussichten?

Wo studiert man eigentlich Latein?

Jede größere Universität hat in aller Regel ein Seminar (hier heißt das etwa Abteilung, aber der Begriff Seminar ist an der Uni mehrdeutig, werdet ihr gleich sehen), an dem man Latein studieren kann. Diese Seminare findet man unter einem Namen wie:

  • Seminar für Lateinische Philologie (= cooleres Wort für Latein)
  • Seminar für Klassische Philologie (= Latein & Altgriechisch)

Wenn man sich etwas durchgoogelt, findet man heraus, dass die meisten nicht-technischen Universitäten über ein solches Seminar verfügen. Die Seminare sind dabei sehr unterschiedlich groß; es gibt winzige, an denen nur eine Handvoll Studenten pro Jahr studieren, und vergleichsweise riesige, an denen sich jedes Jahr hundert und mehr Studenten einschreiben. (Auf BWL- oder Jura-Dimensionen kommt das Fach aber meines Wissens nirgendwo.) Man hat es also in der Regel eher klein und gemütlich.

Was studiert man denn da?

Das Lateinstudium ist in vielerlei Hinsicht so altmodisch wie die Sprache selbst. Man übersetzt jede Menge Text aus dem Lateinischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Lateinische zurück (das klingt bekloppt, aber dazu später mehr). Und dann gibt es noch die Seminare, in denen man ein bestimmtes Thema (z.B. einen bestimmten Text) wissenschaftlich bearbeitet, also den Inhalt untersucht, die Geschichte des Textes kennenlernt, sich mit Forschungsmeinungen auseinandersetzt usw.

Das Studium setzt sich also in der Regel aus drei Teilen zusammen:

  • den Latein-nach-Deutsch-Übersetzungskursen (an der Uni sagt man Lektüreübung)
  • den Deutsch-nach-Latein-Übersetzungskursen (an der Uni sagt man Stilübung)
  • den Seminaren (Pro-Seminare für Anfänger, Haupt-Seminare später)

Dazu kommen noch ein paar andere Kleinigkeiten, aber das ist der Kern des Studiums. Was soll das nun sein?

Die Lektüreübungen sind eigentlich das, was man in der Schule schon gelernt hat: Übersetzen. Nur dass man in der Schule stark vereinfachte, sorgfältigst ausgewählte einfache Texte mit ganz vielen Hilfen, Vokabelangaben und Grammatikvereinfachungen bekam. Diese Zeiten sind jetzt vorbei: An der Uni bekommt man den Cicero so nackt und verwirrend, wie Gott ihn schuf, mit all den chaotischen Stellen, die man auf der Kopie nicht mehr lesen konnte. Und man liest natürlich auch Sachen, die man in der Schule längst nicht mehr macht, weil sie „zu schwer für Schüler“ sind.

Die Stilübungen sind sozusagen Rück-Übersetzungen; man bekommt eine deutsche Übersetzung eines lateinischen Textes und soll wieder Latein draus machen. Das klingt zunächst mal irrwitzig, aber das Ziel ist, die lateinische Grammatik möglichst genau zu lernen, und das kann man am besten, indem man sie selbst anwendet. Tatsächlich ist das weniger schwer, als es klingt.

Die Seminare sind wiederum eine Art erweiterte Lektüreübung: Man sucht sich ein Seminar zu einem Thema aus, das einen interessiert, und beschäftigt sich dort intensiv mit einem Text, mit der Geschichte des Textes, mit der Forschungsliteratur dazu, mit dem Autor und so weiter. Hier findet das eigentliche wissenschaftliche Studium statt; in den anderen Kursen lernt man die Sprache, hier arbeitet man wirklich mit der Sprache und an den Texten, an ihrer Überlieferung, ihrem politischen Kontext usw.

Was macht man damit?

Zu meiner Studienzeit gab es ungefähr 200 angehende Lehrer an meinem Latein-Seminar und nur ganz wenige, die nicht auf Lehramt studierten. Und natürlich ist die allergrößte Mehrheit Lehrer geworden – und ein (sehr) kleiner Teil an der Uni geblieben, um dort zu forschen und zu lehren. Ansonsten kann man mit einem Lateinstudium auch in viele sprach-orientierte Berufe (Journalismus usw.) gehen – ich persönlich kenne allerdings nur sehr wenige Latinisten, die diesen Weg gegangen sind.

Lohnt sich das?

Das ist wohl Geschmackssache. Wer sowieso Lehrer werden möchte, Latein als Fach mag und sich in der eigenen Schulzeit gern mit Latein beschäftigt hat, der hat die Möglichkeit, ein Fach zu unterrichten, für das sich Schüler (meistens) ganz bewusst entscheiden, die darauf Lust haben, sich mit der Antike zu beschäftigen, und somit sehr angenehm zu unterrichten sind. Das ist sicher ganz anders als in Mathematik, Deutsch oder Biologie, wozu die Schüler von vornherein verpflichtet sind.

Aber das hat auch seine Nachteile: Latein ist an (so gut wie) allen Schulen ein Wahlfach, das ständig für sich werben muss, damit Schüler es auch wählen und Kurse zustande kommen. Wer Latein unterrichtet, muss sich immer wieder rechtfertigen, weil es ja eine „tote Sprache“ sei und das „nichts bringe“. Nicht zuletzt sind die Job-Aussichten nicht ganz so ideal: Latein wird nur an Gymnasien – und auch dort längst nicht an allen – unterrichtet, sodass die Zahl der verfügbaren Planstellen kleiner ist, weil man eben nicht auf andere Schulformen ausweichen kann, wo ja auch Mathematik, Deutsch und Biologie unterrichtet werden.

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