Kleiner Nachhilfe-Ratgeber

Brauche ich Nachhilfe?

Dass man mal eine Arbeit verhaut, kommt vor. Sorgen sollte man sich erst machen, wenn man spürt, dass man in einem Fach den Anschluss völlig verliert. Das passiert in Latein besonders leicht, weil die komplexe Grammatik über Jahre hinweg aufeinander aufgebaut wird.

Das Problem an Latein ist, dass der Stoff allmählich aufeinander aufbaut. Wer einmal den Anschluss verliert, kommt möglicherweise im Unterricht nicht mehr richtig mit, kommt immer weiter ins Hintertreffen und versteht nach kurzer Zeit überhaupt nichts mehr.

Bis Eltern und Schüler merken, dass ein echtes Problem besteht, vergeht oft viel Zeit. Zum einen sind Schüler Meister darin, sich irgendwie durch Arbeiten durchzuwurschteln, zum anderen bekommen Eltern oft nicht viel vom Lateinunterricht mit und haben auch wenig Wissen darüber, was dort vor sich geht, wenn sie nicht zuhause mit ihren Kindern lernen.

Nachhilfe tut immer gut?

Nachhilfe unterscheidet sich im Prinzip nicht von normalem Schulunterricht. Mit allen Konsequenzen: Wie es gute und schlechte Lehrer gibt, gibt es gute und schlechte Nachhilfelehrer. Wenn der Lehrer in der Schule Stunde um Stunde nur einen Lektionstext nach dem anderen Satz für Satz durchkaut, hilft es überhaupt nichts, wenn der Nachhilfelehrer das gleiche tut. Im Gegenteil, so eine Nachhilfe kann das Fach noch zusätzlich belasten, weil man auch daran keinen Spaß finden wird.

Nachhilfe macht nur Sinn, wenn der Schüler bereit ist, auch für sich selbst an seinem Wissen zu arbeiten!

Hat man einen Nachhilfelehrer gefunden, bei dem man sich wohl fühlt und den Eindruck hat, den Stoff besser zu verstehen, muss man sich auch im Klaren sein, dass der Nachhilfelehrer nicht „für den Schüler“ lernen kann.

Was mache ich eigentlich in der Nachhilfe?

Es gibt grundsätzlich zwei Varianten, Nachhilfe zu bestreiten: Im „Crashkurs“ und wöchentlich.

Crashkurse sehe ich zwiespältig. Wenn man in den Ferien zwei Wochen lang täglich eine Stunde Nachhilfe bestreitet, dann kann man natürlich sehr viel Stoff nachholen, und das macht bei vielen Schülern Sinn. In solchen Crashkursen lässt sich aber vor allem Grammatik lernen; die Verantwortung für die Vokabeln bleibt weiterhin beim Schüler. Und daran hakt es dann oft.

Wöchentliche Nachhilfe bringt nach meiner Erfahrung in Latein wenig, da bei den meisten Schülern nicht das Verständnis des aktuellen Stoffes, sondern die Lerndisziplin (Vokabeln, Formen…) und die Erinnerung an länger zurückliegende Grammatik das größte Problem ist.

Für jede Form von Nachhilfe gilt, dass sie gut für Grammatik- und Übersetzungstraining geeignet ist. Die meisten Schüler haben aber in erster Linie zu wenig Vokabelwissen. Wer alle Vokabeln in einem Satz kennt, kann sich oft die Bedeutung schon erschließen, ohne die grammatischen Formen zu verstehen! Hier hilft Nachhilfe weniger als regelmäßiges üben, z.B. mit einem Karteikartensystem.

Wie finde ich den passenden Nachhilfelehrer?

Zunächst sollte man sich im Klaren sein, was man möchte. Wer nur ein bisschen Hausaufgabenunterstützung sucht, ist vielleicht schon mit einem Schüler aus einer höheren Klasse zufrieden. Wer zunächst einmal einen Crashkurs braucht, weil er weit ins Hintertreffen geraten ist, sollte sich lieber nach Lateinstudenten umsehen, die fachlich in der Regel sehr fit sind. Darüber hinaus studieren fast alle Lateinstudenten auf Lehramt, sodass sie auch (hoffentlich) etwas didaktisches Wissen mitbringen.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Nachhilfelehrer zu finden. Oft gibt es an den schwarzen Brettern in den Schulen Nachhilfeangebote. In Uni-Städten kann man sich an die Fachschaften für Latein („Klassische Philologie“, „Alte Sprachen“ o.ä.) wenden oder einen Aushang an den entsprechenden Seminaren aufhängen. Im Internet gibt es darüber hinaus zahlreiche Vermittler, bei denen gegen Provision Nachhilfelehrer vermittelt werden.

Je größer die Lücken sind, desto besser sollte der Nachhilfelehrer selbst Bescheid wissen und desto kompakter (öfter) sollte der Unterricht stattfinden. Nachhilfe bringt nichts, wenn der Lehrer auch keine Ahnung hat oder nur einmal in der Woche eine Dreiviertelstunde auftaucht!
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Seit einigen Jahren schießen immer mehr Nachhilfeinstitute aus dem Boden, bei denen in kleinen Gruppen „Nachhilfe“ gegeben wird. Ich habe mich in einigen davon um Jobs beworben und habe sie als relativ problematisch erlebt. Hier werden oft völlig disparate Gruppen aus unterschiedlichen Klassenstufen unterrichtet, sodass es eher eine Art betreuter Stillarbeit ist. Das kann für manche Schüler geeignet sein, die Probleme haben, zuhause eigenständig zu arbeiten; bei größeren Lücken bringt das aber meiner Meinung nach wenig.

Kontrolle

Man sollte sich im Klaren sein, dass Nachhilfe schnell ein teurer Spaß werden kann. Je nach Stadt, Qualifikation des Lehrers und Vorbereitungsaufwand werden zwischen ca. 8 und ca. 30 Euro pro Stunde verlangt.

Es ist daher unbedingt notwendig, dass man den Unterricht nur laufen lässt, solange er etwas bringt und dem Schüler dabei hilft, selbstständig zu werden. Eine „auf ewig“ angelegte Nachhilfe erzieht den Schüler zur Unselbstständigkeit und hilft meiner Erfahrung nach den wenigsten Schülern wirklich weiter.

Nachhilfe darf nicht „auf ewig“ angelegt sein. Wenn die Nachhilfe einem nicht dabei hilft, selbstständig mit dem Fach fertig zu werden, sollte man einen Wechsel des Lehrers in Erwägung ziehen oder sich überlegen, ob das Problem bei einem selbst liegt – zum Beispiel, weil man nicht genug Zeit für die Hausaufgaben, Vokabeln usw. aufwendet.

Darüber hinaus sollten die Eltern ein Auge darauf halten, was in der Nachhilfe läuft, ob der Lehrer geeignetes Material benutzt oder nur die Lektionstexte aus dem Buch durchkaut, ob tatsächlich etwas Neues, Anderes als im Schulunterricht gemacht wird. Wenn Nachhilfe nur zur Wiederholungsveranstaltung bei einem anderen Lehrer wird, lohnt sich Nachhilfe nicht.

Nachhilfe oder nicht?

Viele Lehrer raten Eltern davon ab, ihre Kinder in die Nachhilfe zu schicken. Andere drängen förmlich dazu, sobald die Noten schlechter werden.

Ob Nachhilfe etwas bringt oder nicht, hängt an Schüler und Lehrer. Das Problem ist in aller Regel nicht das Grammatikverständnis, sondern fehlender Wortschatz, und den kann man nur selbst aufarbeiten. Wer freilich den Anschluss schon länger verloren hat und in der Grammatik untergeht, dem kann ein kompakter Crashkurs in den wichtigsten Themen den nötigen Schub geben, um im Unterricht wieder mitzukommen.

Auf keinen Fall darf Nachhilfe zu einer Dauerlösung werden. Vor den Klausuren ein, zwei Termine zur Vorbereitung sind in Ordnung, aber eine (nahezu) wöchentliche Nachbereitung ist in den allermeisten Fällen nichts anderes als eine teuer bezahlte Beschäftigungstherapie.

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