Medea Di coniugales tuque genialis tori,
Lucina, custos quaeque domituram freta
Tiphyn nouam frenare docuisti ratem,
et tu, profundi saeue dominator maris,
5 clarumque Titan diuidens orbi diem,
tacitisque praebens conscium sacris iubar
Hecate triformis, quosque iurauit mihi
deos Iason, quosque Medeae magis
fas est precari: noctis aeternae chaos,
10 auersa superis regna manesque impios
dominumque regni tristis et dominam fide
meliore raptam, uoce non fausta precor. |
Götter der Ehe und du, Wächterin des Ehebetts,
Lucina, die du Tiphys gelehrt hast, das die Fluten
beherrschen werdende, neue Schiff zu lenken,
und du, wilder Beherrscher des tiefen Meeres,
und Titan, der du den hellen Tag für den Erdkreis einteilst,
und dreigestaltige Hekate, die du den schweigenden Heiligtümern
wissenden Glanz bereitest, und bei welchen Göttern mir
Jason noch schwor, zu welchen Medea göttlichen Rechts wegen
noch mehr beten muss: das Chaos der ewigen Nacht,
die den Göttern abgewandten Reiche und die düsteren Manen
und den Herrn des traurigen Reiches und die Herrin, die durch
größere Treue geraubt wurde, mit unglücklicher Stimme flehe ich. |
nunc, nunc adeste sceleris ultrices deae,
crinem solutis squalidae serpentibus,
15 atram cruentis manibus amplexae facem,
adeste, thalamis horridae quondam meis
quales stetistis: coniugi letum nouae
letumque socero et regiae stirpi date. |
Nun, nun steh mir bei, Göttin, die du Verbrechen rächst,
die du besudelt bist mit wallenden Schlangen anstelle von Haar,
die du die schwarze Fackel mit den blutigen Händen umfasst,
steh mir bei, wie du meinem Brautgemach einst
auch beigestanden hast: den Tod gebt der neuen Braut,
und dem Schwiegervater und der ganzen Königsfamilie. |
Num peius aliquid? quod precer sponso malum?
20 uiuat; per urbes erret ignotas egens
exul pauens inuisus incerti laris,
iam notus hospes limen alienum expetat;
me coniugem opt(at)o, quoque non aliud queam
peius precari, liberos similes patri
similesque matri++parta iam, parta ultio est: |
Gibt’s was Schlimmeres? Welches Übel wünsch ich dem Bräutigam?
Er soll leben, er soll durch fremde Städte irren und Armut leiden
im Exil und fürchten soll er sich und unsichtbar und ohne sichere Heimat,
bald soll er als bekannter Gastfreund an fremden Türen betteln;
er soll sich mich zur Frau wünschen, auch – ich kann nichts
Schlimmeres erbitten – soll er sich dem Vater ähnliche Kinder
und der Mutter ähnliche wünschen; geboren schon, geboren ist die Rache: |
peperi. Querelas uerbaque in cassum sero?
non ibo in hostes? manibus excutiam faces
caeloque lucem++spectat hoc nostri sator
Sol generis, et spectatur, et curru insidens
30 per solita puri spatia decurrit poli? |
Ich habe sie geboren. Knüpfe ich vergeblich Klagen und Worte?
Werde ich nicht dem Feind entgegengehen? Reiße ich mit den Händen
die Fackeln und das Licht vom Himmel? Der Vater unseres
Geschlechts, der Sol, erblickt’s und wird selbst gesehn, und er sitzt
im Wagen und läuft durch den gewohnten Raum des reinen Himmels? |
non redit in ortus et remetitur diem?
da, da per auras curribus patriis uehi,
committe habenas, genitor, et flagrantibus
ignifera loris tribue moderari iuga: |
Kehrt er nicht zurück zum Aufgang und wiederholt den Tageslauf?
Gestatte es, durch die Lüfte mit dem väterlichen Wagen zu fahren,
gestehe mir die Flügel zu, Vater, und gestatte, mit flammenlodernder
Peitsche das flammendene Pferdegespann zu lenken: |
35 gemino Corinthos litori opponens moras
cremata flammis maria committat duo.
hoc restat unum, pronubam thalamo feram
ut ipsa pinum postque sacrificas preces
caedam dicatis uictimas altaribus. |
Das mit zwillingshaftem Strand seinem Aufenthalt entgegenstehende
Korinth möge, verbrannt von den Flammen, die zwei Meere vereinigen!
Dies eine bleibt, dass ich den Hochzeitskranz selbst zum
Brautgemach bringe und nach den Opferbitten
die Opfertiere an den geweihten Altären töte. |
40 Per uiscera ipsa quaere supplicio uiam,
si uiuis, anime, si quid antiqui tibi
remanet uigoris; pelle femineos metus
et inhospitalem Caucasum mente indue. |
In meinem Herzen suche einen Weg zur Rache,
wenn du lebst, du meine Seele, wenn etwas von der früheren
Tatkraft dir noch geblieben ist; vertreibe die weiberhafte Furcht
und nimm die unwirtliche Gebirgskette des Kaukasus im Geiste an. |
quodcumque uidit Phasis aut Pontus nefas,
45 uidebit Isthmos. effera ignota horrida,
tremenda caelo pariter ac terris mala
mens intus agitat: uulnera et caedem et uagum
funus per artus++leuia memoraui nimis:
haec uirgo feci; grauior exurgat dolor: |
Was auch immer Phasis oder Pontus an Unrecht sahen,
wird dann der Isthmos sehen. Wilde, niedere, schreckliche Übel,
die den Himmel erbeben lassen und die Erde genauso,
plant mein Kopf innerlich: Verwundung und Gemetzel und unstetes
Grabmahl durch meine Glieder – als Leichtigkeit beschrieb ich es zu sehr:
als Jungfrau tat ich dies; größerer Schmerz entbrenne in mir: |
50 maiora iam me scelera post partus decent.
accingere ira teque in exitium para
furore toto. paria narrentur tua
repudia thalamis: quo uirum linques modo? |
Größere Verbrechen ziemen sich für mich nun, nach den Geburten.
Umgürte dich mit Wut und bereite dich zum Untergang vor
mit allem Zorn. Bring hervor, wie deine Verbannung aus dem
Brautgemach erzählt wird: auf welche Weise verlässt du diesen Mann? |
hoc quo secuta es. rumpe iam segnes moras:
55 quae scelere parta est, scelere linquenda est domus. |
Auf jene, wie du ihm gefolgt bist. Beende schon das träge Abwarten:
wie du das Haus durch Verbrechen erworben hast, so verlasse es auch. |