Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft?! Zeiten

Wofür braucht man diese ganzen Zeiten!?

Tempora (lat. für Zeiten) braucht man, um auszudrücken, wann eigentlich etwas passiert ist. Es macht ja doch einen Unterschied, ob ich zu dir sage: „ich gehe (gerade?) ins Schwimmbad“, „ich war (vorgestern?) im Schwimmbad“ oder „ich werde (übermorgen?) ins Schwimmbad gehen“. Wenn ich diesen Unterschied nicht formulieren kann, könnte es passieren, dass du mich übermorgen im Schwimmbad suchen gehst, obwohl ich schon vorgestern dort war. Das wäre blöd.

Welche Zeiten gibt es im Lateinischen?

Eigentlich ist das ganz überschaubar:

Präsens: "eo" - ich gehe (jetzt)
Perfekt: "ii" - ich ging/ich bin gegangen (gestern, vorgestern, voriges Jahr...)
Imperfekt: "ibam" - ich ging/ich bin gegangen (gestern, vorgestern, voriges Jahr...)
Plusquamperfekt: "ieram" - ich war gegangen (bevor etwas passierte, bevor ich wiederkam, als jemand mich auf dem Handy anrief...)
Futur: "ibo" - ich werde gehen (morgen, übermorgen, nächstes Jahr...)

Während Futur, Präsens und Perfekt noch einigermaßen normal erscheinen, fragt man sich ernsthaft, warum das Lateinische gleich drei verschiedene Vergangenheiten braucht. (Ich könnte das hier erklären, aber es ist auch egal – vielleicht irgendwann mal in einem eigenen Beitrag.) Wenn man die Stammformen kann, ist das eigentlich ganz einfach. Wichtig ist dann nur noch, sich die Kennzeichen zu merken:

Stammformen: dicere - dico, dixi, dictum (kennen wir auswendig!)
Perfekt: dixi = ich sagte
Imperfekt: dicebam = ich sagte
Plusquamperfekt: dixeram = ich hatte gesagt

Man könnte nun sagen: Was für ein Quatsch, ich lerne zwei Zeitformen, die im Deutschen das gleiche bedeuten. Man könnte aber auch sagen: Ich muss für zwei Zeitformen nur eine Übersetzung lernen. Prima! Jedenfalls haben wir jetzt schon die Zeiten erkannt: Das Perfekt entspricht einfach der zweiten Stammform, das Imperfekt entspricht der ersten Stammform mit „ba“-Zusatz, das Plusquamperfekt entspricht der ersten Stammform mit „era“-Zusatz.

Wir haben also sozusagen eine Familie der Zeiten, die von den Stammformen abstammen:

stammformenfamilie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.